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Praxis·11 Min.·

Flussdiagramm-Symbole: vollständige Übersicht mit echten Visuals und Bedeutung

Alle Flussdiagramm-Symbole nach ISO 5807 — visuell dargestellt mit Bedeutung, Verwendung und Beispielen. Plus die fünf Symbole, mit denen Sie 95% aller Diagramme abdecken.

Wer ein Flussdiagramm erstellt, hat zwei Möglichkeiten: alle 30+ Symbole nach ISO 5807 lernen — oder die fünf Symbole verwenden, die in 95% aller Fälle reichen. Aus 12 Jahren Engagement-Praxis: die zweite Option produziert die nutzbareren Diagramme.

Diese Notiz zeigt alle relevanten Symbole als echte visuelle Beispiele (nicht nur als Text), ordnet sie nach Verwendungshäufigkeit und liefert klare Hinweise, wann welches Symbol Sinn ergibt — und wann es nur Verwirrung schafft.

Die fünf Symbole für 95% der Fälle

Bevor wir in die vollständige ISO-Liste gehen, hier das Minimum-Vokabular, das in fast jedem mittelständischen Engagement reicht:

Beginn oder Abschluss eines Prozesses. Beschriftung konkret: „Bestellung eingegangen“, „Auftrag abgeschlossen“.
Ein Schritt, eine Handlung. Beschriftung als Verb + Objekt: „Rechnung prüfen“.
Verzweigung mit klarer Ja/Nein-Frage. Mehr als zwei Antworten = mehrere Rauten.
Datenfluss / Reihenfolge. Bei Verzweigungen unbedingt mit Ja/Nein beschriften.
Input oder Output: ein Beleg, eine Datei, ein Bericht. Wenn etwas physisch übergeben wird.

Mit diesen fünf Symbolen lassen sich praktisch alle einfachen bis mittleren Geschäftsprozesse darstellen. Für komplexere Notation gibt es BPMN 2.0 — aber das ist eine andere Welt.

Wichtigste Tipps zu den Grund-Symbolen

Terminator: ein Diagramm darf mehrere Endpunkte haben (z. B. „Antrag genehmigt“ / „Antrag abgelehnt“), aber nur einen Startpunkt.

Aktivität: verwenden Sie immer Aktiv-Verben. „Rechnungsprüfung“ als Substantiv ist mehrdeutig — wer prüft? „Buchhaltung prüft Rechnung“ ist besser.

Entscheidung: wenn die Antwort komplexer ist als Ja/Nein, ist die Entscheidung schlecht modelliert. Zerlegen Sie in mehrere Rauten.

Pfeil: Pfeile sollten möglichst nicht über andere Symbole laufen. Wenn das passiert, ist Ihr Layout zu eng — neue Konnektoren (siehe unten) verwenden.

Dokument: verwenden Sie das Dokument-Symbol, wenn explizit etwas weitergegeben wird, das nicht in einem System läuft. Für Daten in Systemen verwenden Sie das Datenbank-Symbol.

Die häufig verwendeten Spezial-Symbole

Wenn die fünf Grund-Symbole nicht reichen, sind dies die nächsten vier, die Sie wahrscheinlich brauchen:

Verbindungspunkt. Wenn Pfeile über Seiten oder weite Distanzen laufen müssten, ersetzt man sie durch zwei Konnektoren mit gleichem Label.
Subprozess. Ein Schritt, der selbst aus mehreren Schritten besteht und woanders detailliert beschrieben ist.
Manuelle Eingabe. Wenn ein Mensch aktiv Daten eingeben muss, etwa in eine Maske.
Datenbank. Zeigt, dass Daten in einem System persistent gespeichert werden.

Konnektor: nutzen Sie ihn, sobald ein Diagramm mehr als eine Druckseite umfasst. Beschriftung mit Buchstaben oder Zahlen — „A“ auf Seite 1 trifft „A“ auf Seite 2.

Subprozess: ein Sub-Diagramm der Detailtiefe darunter. In einem Onboarding-Diagramm der Schritt „IT-Hardware bereitstellen“ als Subprozess — das Detail steht in einem eigenen Diagramm.

Manuelle Eingabe: das Symbol ist nützlich, wenn Sie unterscheiden wollen zwischen Aktivitäten, die ein Mensch macht (manuelle Eingabe), und Aktivitäten, die ein System macht. Im automatisierungsbewussten Mittelstand 2026 ein wichtiger Unterschied.

Datenbank: der Zylinder zeigt System-Persistenz an. Nach „Bestellung erfassen“ zeigt ein Pfeil zu einem Zylinder „SAP“ oder „CRM“, um klarzumachen, wo die Daten landen.

Die mittelmäßig häufig verwendeten Symbole

Diese drei sehen Sie regelmäßig — aber meist nur, wenn der Prozess produktions- oder service-nah ist:

Verzögerung / Wartezeit. Explizite Wartezeit, oft kritisch in Prozessanalysen.
Vorbereitung. Eine Aktivität, die etwas für den nachfolgenden Schritt vorbereitet.
Manueller Vorgang. Eine Aktivität, die nicht durch ein System unterstützt wird, sondern rein manuell erfolgt.

Verzögerung: an diesem Symbol erkennt man oft die größten Optimierungs-Hebel. Ein Prozess, in dem 3 von 8 Schritten Wartezeiten sind, ist ein klares Signal für Architekturarbeit.

Vorbereitung: in der Produktion und im Engineering hilfreich („Werkzeuge bereitlegen“ vor einem Wartungsschritt). In Office-Prozessen selten nötig — meist als normale Aktivität ausreichend.

Manueller Vorgang: im modernen Office selten, in Produktion und Handwerk häufig. Beispiel: „Schraube nachziehen“, „Akte ablegen“ — explizit als manuell markieren, wenn die Unterscheidung zur System-Aktivität wichtig ist.

Die selten verwendeten Symbole

Diese sollten Sie kennen, aber nur einsetzen, wenn der Anlass eindeutig ist:

Anzeige / Bildschirm. Eine Information wird einer Person angezeigt.
Zusammenführen mehrerer Pfade zu einem. Meist redundant — kann durch zusammenlaufende Pfeile ersetzt werden.
Extraktion / Aufspaltung eines Pfads in mehrere ohne Entscheidung. Auch oft redundant.

Anzeige: wenn klar gemacht werden soll, dass ein Mensch eine Information visuell konsumiert. Beispiel: „Fehlermeldung im Cockpit anzeigen“. In Office-Prozessen praktisch nie nötig.

Merge & Extract: in den meisten Tools werden diese durch zusammenlaufende oder auslaufende Pfeile dargestellt — das ist visuell klarer als ein eigenes Symbol. Verwenden Sie sie nur, wenn der Notations-Standard es explizit verlangt.

Beispiel: dieselbe Notation in einem echten Prozess

Hier ein vollständiger kleiner Prozess (Eingangsrechnung) mit den fünf Grund-Symbolen + zwei Spezial-Symbolen:

Eingangsrechnung mit System-Markierung

01 · Start

Rechnung trifft ein

02 · Task

Daten erfassen

Buchhaltung

03 · Entscheidung

Bestellbezug?

04 · Task

Mit Bestellung abgleichen

Ja

05 · Task

Genehmigung einholen

Wartezeit ~2 Tage

06 · System

In ERP buchen

SAP

07 · Ende

Zahlung freigegeben

Hier sehen Sie die Symbole im Einsatz: Terminator (Start/Ende), Aktivität, Entscheidung, System (≈ Datenbank), implizite Verzögerung beim Genehmigungs-Schritt.

Symbol-Cheat-Sheet als PDF

Wir haben die hier gezeigten Symbole als druckbares A4-PDF zusammengestellt — eine Seite, optimiert zum Aufhängen am Arbeitsplatz oder Verteilen im Team. Verfügbar nach Newsletter-Anmeldung.

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Die zwei häufigsten Fehler bei der Symbol-Wahl

Aus der Praxis sehen wir immer wieder dieselben Probleme:

Fehler 1: zu viele Symbole verwenden. Viele Anfänger greifen für jeden Schritt das spezifischste Symbol — manuelle Eingabe, Datenbank, Dokument, Anzeige, Vorbereitung. Das Resultat ist visuell unruhig und schwer lesbar. Ein Diagramm aus 80 % Rechtecken und Rauten ist viel verständlicher als eines aus 15 verschiedenen Formen. Verwenden Sie Spezialsymbole nur, wenn der Unterschied zur normalen Aktivität wirklich erklärungsbedürftig ist.

Fehler 2: nicht beschriftete Pfeile bei Entscheidungen. Eine Raute ohne „Ja“/„Nein“-Labels an den ausgehenden Pfeilen ist mehrdeutig. Welcher Pfad wird genommen, wenn die Antwort „Ja“ lautet? Ohne Beschriftung muss der Leser raten. Immer beschriften.

Wann reichen Flussdiagramm-Symbole nicht mehr aus?

Sobald Sie mehr als zehn der ISO-Symbole regelmäßig brauchen, sind Sie eigentlich nicht mehr in der Welt des klassischen Flussdiagramms. Sie sind unterwegs zu:

  • BPMN 2.0 — wenn Sie Events, Sub-Prozesse, Pools, Lanes, Message-Flows und Compensations brauchen. BPMN hat etwa 50+ Symbole und ist die richtige Wahl, wenn der Prozess automatisiert werden soll. Mehr dazu in unserer BPMN-2.0-Pillar.
  • EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette) — die deutsche BPM-Notation, die explizit Ereignisse und Funktionen unterscheidet. Im DACH-Raum verbreitet, vor allem in klassischen Verwaltungen und SAP-Welten.
  • UML Activity Diagrams — wenn Sie technische Abläufe in der Software-Entwicklung dokumentieren. Eher technisches Publikum.

Die Wahl des Notations-Standards ist eine architekturelle Entscheidung, nicht nur eine Tool-Frage. Wer das BPMN-Vokabular adoptiert, signalisiert: „Wir wollen Prozesse, die ausführbar werden können.“ Wer beim Flussdiagramm bleibt, signalisiert: „Wir wollen Klarheit, nicht Automatisierung.“

Die nächste Stufe: vom Symbol zur Architektur

Symbole sind das Vokabular, mit dem Sie einen einzelnen Prozess beschreiben. Aber im Mittelstand 2026 ist die wirkliche Frage nicht „Welches Symbol verwende ich?“, sondern:

  • Welche Notation passt zur restlichen Architektur des Unternehmens?
  • Welche Diagramme leben tatsächlich, welche sterben in der Schublade?
  • Wie verbinden sich einzelne Diagramme zu einem Bild der Gesamtarchitektur?

Diese Fragen beantwortet keine Symbol-Liste. Sie beantwortet eine Disziplin: Operating Architecture. Sie ist die Verdichtung von TOGAF, BPMN, Process Mining und KI-Integration auf das, was im Mittelstand wirklich Wirkung hat.

Wenn Sie merken, dass Ihre Diagramm-Frage eigentlich eine Architektur-Frage ist, lesen Sie unsere Standortbestimmung zur Disziplin — oder klären wir das in 30 Minuten direkt: Erstgespräch buchen.

Zusammenfassung

  • Mit fünf Grund-Symbolen (Terminator, Aktivität, Entscheidung, Pfeil, Dokument) decken Sie 95 % aller Flussdiagramme ab.
  • Spezialsymbole (Datenbank, manuelle Eingabe, Verzögerung etc.) verwenden Sie nur dort, wo der Unterschied erklärungsbedürftig ist — nicht aus Notations-Liebe.
  • Beschriften Sie Entscheidungs-Pfeile immer mit Ja/Nein.
  • Sobald Sie mehr als 10 Symbole brauchen, lohnt der Wechsel zu BPMN 2.0 oder EPK.
  • Die Symbol-Wahl ist eine Tool-Frage. Die Architektur dahinter ist eine Disziplin — Operating Architecture.

Cheat-Sheet als PDF: hier anfordern →.

Operating Architecture

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Operating Architecture als Disziplin, nicht als Marketing-Begriff. Mensch und Maschine bewusst zusammen aufstellen, in echten Engagements, mit Verantwortung für das Ergebnis. Wenn das nach Ihrer Lage klingt — sprechen wir.

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